Peek-a-Boo Canyon - Brimstone Canyon

Heute fiel uns Frühaufstehern das Aufstehen besonders leicht, wartete doch die Hole of the Rock Road auf uns, die uns heute wieder ein Stückchen mehr ihrer Zauberwelt der Slot Canyons offenbaren sollte. Bei kühlen 12 Grad Lufttemperatur und mit der Aussicht auf einen heiter bis wolkigen, nicht zu heißen Canyontag machten wir uns um 8 Uhr auf zur ersten Fahrt auf der HitRR.

 

Die ersten staubigen Kilometer waren gerade absolviert, als uns auf der Höhe von Devil's Garden eine riesige Kuhherde zu einem ungeplanten Stop zwang. Unbeeindruckt von unserem Fahrzeug trotteten die Tiere mit unzähligen Kälbchen laut muhend an uns vorbei, während seitlich Cowboys, begleitet von drei Hunden, auf Pferden ihre Herde beisammen hielten und voran trieben. Welch eine Ouvertüre für diesen Tag! Die Cowboys waren sich ihrer Wirkung scheinbar bewusst, winkten uns zu und zeigten ihr reiterisches Können. Wir fühlten uns hineinversetzt in die Zeit des Wilden Westens und genossen dieses frei Haus gelieferte Westernfeeling. Daran konnten auch die von feuchten Kuhnasen- und mäulern verschmierten Autofenster nichts ändern.

Nach 42 km Fahrt auf der in erstaunlich gutem Zustand befindlichen HitRR bogen wir ab in die Dry Fork Coyote Road, über die wir nach knapp 3 km unseren Trailhead erreichen sollten. Diese letzten Kilometer allerdings hatten es in sich und nötigten Ray hohes fahrerisches Knowhow und viel Konzentration ab. Spurrillen, Auswaschungen und immer wieder tückische Steinplatten sorgten dafür, dass die soeben noch empfundene Abenteuerromantik wieder der Realität wich. Doch letztlich hatten wir es geschafft und starteten um 9.30 Uhr unseren Hike.

Nachdem wir uns in das Trail Register eingetragen hatten folgten wir den Steinmännchen, die über einen sandigen Pfad und Slickrocks steil bergab in den Dry Fork Coyote Canyon führten. Anders als vor zwei Jahren, wo wir diesen Weg schon einmal gegangen waren, waren die Temperaturen mit 27 Grad heute gut auszuhalten, und bereits nach etwa fünfzehn Minuten erreichten wir den Dry-Folk-Wash, der uns direkt zu unserem Eingang des Peek-A-Boo-Canyon führte. 

Da man hier aber hätte klettern müssen und ich bereits vor zwei Jahren an dieser Stelle einen Rückzieher gemacht hatte, suchten wir nun nach dem hinteren Zugang, der - wie wir gelesen hatte - einfacher zugänglich sein sollte. Und so war es auch.

 

Super, jetzt konnte also auch ich, die ich nicht mit jenem manchmal sehr nützlichen Klettergen ausgestattet war, die Schönheiten des Peek-A-Boo Slot Canyons kennenlernen. Und bereits nach den ersten Schritten zeigte dieser Canyon seinen Zauber. Welch eine bizarre Schönheit sich vor uns entfaltete. Welch ein Wunderwerk der Natur! Schmale Slots, ein kleines Felsenlabyrinth, verbunden durch runde Öffnungen, durch die zu klettern war, Potholes - natürlich gefüllt mit Wasser - die überwunden werden wollten. 

Ein wildromantisches atemberaubendes Abenteuer für Herz und Seele, ein Augenschmaus und faszinierendes Erlebnis für alle, die ein Herz für Canyons haben. Gleichzeitig machte uns diese Zauberwelt aus Stein auch bewusst, welch Riesenkräfte hier gewirkt hatten, um diese Steinformationen zu bilden, und wie winzigklein wir selbst dagegen sind.

Den Spooky Canyon - auch den hatten wir 2009 bereits erwandert - ließen wir diesmal links liegen und marschierten gut gelaunt vorbei in Richtung Brimstone Canyon, dessen Eingang wir gegen 11.30 Uhr erreichten. Im Gegensatz zu Spooky und Peek-A-Boo, die sich von Beginn an als schmal gebaute Slots präsentierten, verlief der Hike hier zunächst in einem breiten und weitläufigen, tief sandigen Wash. Auch wenn man hier nicht klettern musste kamen wir wegen des tiefen Sandsnur langsam voran. 

Es war ein mühevolles Laufen - zwei Schritte vorwärts und einer zurück - und wir kamen nur langsam voran. Was nichts ausmachte, denn der Hike war abwechslungsreich, erfreuten wir uns doch zum einen an riesigen Sanddünen, aber auch an grüneren Abschnitten mit blühenden Pflanzen. Obwohl es kein wirklich heißer Tag war machte uns diezunehmende Wärme hier unten am Boden des Canyons doch zu schaffen. Und so waren wir froh, als die Canyonwände immer näher zusammenrückten und mehr und mehr schattige Abschnitte boten. 


Es wurde in der Tat kühler, aber auch dunkler und geheimnisvoller, an manchen stellen fast schon beklemmend. Teilweise konnten wir nur noch seitwärts und in geduckter Haltung gehen, und natürlich waren auch immer wieder kleinere Klettereinlagen gefordert. Als es dann so schmal wurde, dass man den Rucksack abnehmen musste und kaum noch Licht von oben in den Canyon fiel machte sich bei mir fast ein wenig Panik breit. So schön und abenteuerlich das Ganze war, es war auch irgendwie mystisch und unheimlich. Ray ging daher von dieser Stelle an alleine weiter und erreichte das Ende des (begehbaren Teils) des Canyons.

Schließlich machten wir uns auf den Rückweg, wo wir uns dann auch wieder eine wohlverdiente Rast gönnten. Allerdings nicht zu lange, denn zwischenzeitlich hatten sich am Himmel die Gewitterwolken verstärkt und wir wollten zusehen, trockenen Fußes zurück zum Auto zu kommen. Man weiß ja nie. Schließlich hat man ja schon mehr als genug von diesen Flashfloods gehört, von denen wir keine höchstpersönlich erleben wollten.....

 

So machten wir uns auf den geordneten Rückzug aus der Welt der Slot Canyons, genossen nochmals den Traum von Rot, der uns umgab, und nachdem Ray noch unter Einsatz seiner gesamten "Überredungskunst" eine Bullsnake für einen Fototermin gewinnen konnte, kämpften wir nochmals mit dem steilen Anstieg zum Trailhead, wo unsere im Auto befindliche Kühlbox bereits alles fürunsere durstigen Kehlen vorbereitet hatte.


Als wir in Escalante wieder in die Zivilsation zurückkehrten spürten wir unsere hungrigen Mägen, die wir bei Kaffee- und Kuchen beim "Outfitter" zu ihrem Recht kommen ließen. Es schmeckte uns - wie immer - sehr gut, doch waren wir - wie schon am Vortag beim Abendessen - erschrocken über die wirklich stark gestiegenen Preise, die nach unserer Auffassung überzogen und keinesfalls gerechtfertigt waren. Fürs Abendessen zog es daher dann ins Cowboy Blues Restaurant, wo es einen Betreiberwechsel gegeben hatte und das Essen sehr gut und die Atmosphäre angenehm war. Dieses Restaurant konnten wir empfehlen. Hierher würden wir gerne wiederkommen. 

 

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